Die Rückkehr und Vereidigung von Konstantinos Karamanlis als griechischer Premierminister noch in der Nacht zum 24. Juli 1974 bedeutete das Ende der griechischen Militärdiktatur. Der Tag markierte auch das endgültige Ende der griechischen Monarchie. Unter der Amtzeit Karamanlis zog sich Griechenland aufgrund der türkischen Invasion Zyperns zeitweilig aus der NATO zurück. Gleichzeitig wurde der Weg in Griechenlands in die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft geebnet

Im Zuge der Zypern-Krise des Jahres 1974 brach die Militärherrschaft zusammen. Unter dem Druck der westlichen Staatengemeinschaft rief Präsident Gizikis Karamanlis aus dem Pariser Exil zurück, in das er nach der Wahlniederlage 1964 gegangen war. Karamanlis wurde mit einem Flugzeug des französischen Staatspräsidenten Valéry Giscard d’Estaing eingeflogen, von einer jubelnden Bevölkerung begrüßt und noch in der Nacht zum 24. Juli 1974 als Premierminister vereidigt. Er bildete eine Regierung der nationalen Einheit. Im Herbst 1974 gründete er die liberal-konservative Nea Dimokratia. Karamanlis und seine Regierung sorgten innerhalb eines Jahres für freie Wahlen, eine neue Verfassung und die Verhaftung der Junta-Offiziere.

Die neue demokratische Regierung unter Konstantin Karamanlis führte auch eine Volksabstimmung über die Monarchie, die bereits von der Militärjunta abgeschafft wurde und über eine manipulierte Volksabstimmung1973 bestätigt wurde. Beim Referendum im November 1974 wurde es dem im Exil lebenden König Konstantin II. nicht gestattet, nach Griechenland zurückzukehren und aktiv in den Abstimmungskampf einzugreifen. Es fand sich auch keine politische Gruppierung von Gewicht, die für die Monarchie eingetreten wäre. Die Abstimmung am 8. Dezember 1974 ergab mit fast 70 % Neinstimmen eine deutliche Mehrheit gegen die Monarchie.

In seiner Amtszeit von 1974 bis 1980 gelang Karamanlis der Übergang von der Militärdiktatur zur Demokratie, die „politische Wende“ (griechisch μεταπολίτευση „Metapolitefsi“), was ihm große internationale Anerkennung einbrachte. Das Verbot der Kommunistischen Partei ließ er nach etwa 30 Jahren aufheben. Es kam wieder zu einer wirtschaftlichen Prosperität in seiner Amtszeit, aber auch zu einer außenpolitischen Öffnung hin zu den arabischen und osteuropäischen Ländern. Als die NATO der türkischen Invasion Zyperns im Sommer 1974 tatenlos zusah, zog sich Griechenland unter Karamanlis aus Protest für mehrere Jahre aus der NATO zurück. 1979 beschloss die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft die Aufnahme Griechenlands für das Jahr 1981, was auf der Europapolitik Karamanlis’ fußte. 1980 trat Karamanlis als Premierminister und Parteichef zurück.

Knapp ein Jahr nach dem Sturz der Junta, im Juni 1975, stellte Griechenland einen Antrag auf Beitritt zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Vor allem der französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing, der deutsche Kanzler Helmut Schmidt und sein Außenminister Hans-Dietrich Genscher machten sich für eine Aufnahme der Griechen stark – mit dem Argument, es gelte die noch fragile griechische Demokratie durch die europäische Integration des Landes zu festigen.

Am 1. Januar 1981 wurde das Land Mitglied der EWG. Auf die griechischen Strukturschwächen nahm die Gemeinschaft mit langen Übergangsfristen Rücksicht. Aber die meisten Reformen blieben schon im Ansatz stecken. Zwar flossen seit 1981 aus den Brüsseler Strukturfonds umgerechnet fast 73 Milliarden Euro nach Griechenland. Doch ein Großteil der Gelder versickerte. Keine Spur auch von einer grundlegenden Modernisierung des antiquierten Bildungswesens und der zentralistischen öffentlichen Verwaltung.

Auch eine andere Altlast, die bis heute schwer auf den Schultern der Griechen lastet, datiert aus den Jahren nach dem Ende der Obristenherrschaft. Beim Sturz der Junta standen die beiden Nato-Partner Griechenland und Türkei wegen des Zypernkonflikts am Rand einer bewaffneten Auseinandersetzung. Zwar gelang es Karamanlis, die Kriegsgefahr abzuwenden. Aber die Zypernkrise von 1974 markiert den Beginn des griechisch-türkischen Wettrüstens. Die immensen Militärausgaben brachten Griechenland an den Rand des Bankrotts. Erst die Krise erzwang einen Kurswechsel. Die Rüstungsausgaben wurden drastisch zusammengestrichen, von 7,7 Milliarden Euro 2009 auf 4,5 Milliarden im Jahr 2013.

Quellen:

Wikipedia, Griechische Militärdiktatur & Konstantinos Karamanlis

Frankfurter Rundschau, Die griechische Krankheit, 24.7.2014

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