Die Konferenz von Potsdam markiert das Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und in gewisser Weise den Anfang des Kalten Krieges. Das Scheitern einer gemeinsamen Besatzungspolitik führte letztendlich zur über 40 Jahre anhaltenden Deutschen Teilung. Während der Konferenz erreichte den US-Präsidenten Harry S. Truman der Bericht des erfolgreichen Atombombentest bei Alamogordo. Und sie markiert den vorübergehenden Abgang eines der „großen Drei“, Winston S. Churchill, von der politischen Bühne.

Für US-Präsident Harry S. Truman war es die erste Auslandsreise seit seinem Einsatz als Artillerie-Offizier im 1. Weltkrieg. Als früherer Senator vorwiegend mit innenpolitischen Fragen beschäftigt, wurde er in den drei Monaten seiner Vizepräsidentschaft kaum über außenpolitische Vorgänge informiert. Er gehörte weder dem inneren Zirkel um seinen Vorgänger an, noch wusste er von geheimen Projekten, wie dem Atomwaffenprogramm, dem sog. Manhattan-Projekt.

Winston S. Churchill war sich zwar sicher, die Unterhauswahlen am 3. Juli gewonnen zu haben, dennoch ließ er sich von Labourführer Clement Attlee begleiten.

Gleich zu Beginn machte Stalin seinen ersten Schachzug, indem er Truman zum Vorsitzenden der Konferenz machte und ihn so in die Vermittlerrolle zwischen Stalin und Churchill drängte.

Das Deutsche Reich wurde in Besatzungszonen aufgeteilt. Jede der vier Mächte (USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich) sollte jeweils politische Handlungsfreiheit in ihrer Zone erhalten. Durch das Prinzip der Einstimmigkeit im Alliierten Kontrollrat bedeutete dies, dass die einzelnen Besatzungsmächte in ihren jeweiligen Zonen in der Lage waren, eine völlig eigenständige Politik zu betreiben, ohne dass der Kontrollrat sie daran hindern konnte.

Ein großer Streitpunkt zwischen Stalin und den West-Alliierten waren die Gebiete östlich der Oder und Lausitzer Neiße. Stalin erklärte, die deutsche Bevölkerung hätte diese Gebiete „verlassen“, während sowjetische Truppen gleichzeitig hunderttausende Deutsche an der Heimkehr hinderten. Eine von Stalin instruierte polnische Delegation bezifferte die Zahl der östlich der Oder und Görlitzer Neiße lebenden Deutschen auf 1,5 Millionen, von denen erwartet wurde, dass sie „freiwillig“ gehen – tatsächlich waren es noch rund 5 Millionen.

US-Präsident Truman war über den Verlauf der Sitzung nicht sonderlich glücklich und meinte er hätte sich nicht darauf einlassen sollen. Der erfolgreiche Atombombentest am 16. Juli 1945 im Alamogordo gab ihm einen Sicherheit, die sich nur wenige erklären konnten. Eine Beteiligung der Sowjets am Krieg gegen Japan erschien nun nicht länger notwendig, sondern sogar eher schon unerwünscht.

Ende Juli wurde die Konferenz unterbrochen, Churchill und Attlee flogen nach England, um die Bekanntgabe des Wahlergebnisses abzuwarten. Sieger Attlee kehrte als Premierminister nach Potsdam zurück. Stalin schien ein wenig traurig auf den kleinen Mann zu blicken. Fast schien es, als vermisse er den Weltpolitiker, mit dem er so oft die Klingen gekreuzt hatte.

Bis zum Konferenzende wurde über die polnische Westgrenze diskutiert. Trotz anfänglicher Widerstände kam es schließlich zum Artikel XIII des Potsdamer Protokolls über den „geordneten und humanen Transfer“ der Deutschen, die „in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn zurückgeblieben sind“.

Der Beginn des Kalten Krieges, mit dem bereits geschaffene Fakten weiter zementiert wurden, verhinderte jedoch die geplante Friedenskonferenz, auf der noch abschließend u. a. die offene Frage der Westgrenze Polens geklärt werden sollte.

Der Friedensvertrag, der den 2.Weltkrieg offiziell beenden sollte, wurde mit dem „Zwei-Plus-Vier-Vertrag“ erst am 12.September 1990 in Moskau unterzeichnet.

Quellen:

Raymond Cartier, Der Zweite Weltkrieg 1939 – 1945, 7. Auflage 1985, ISBN 3-492-02284-7

Winston S. Churchill, Der Zweite Weltkrieg, 1. Auflage 2003, ISBN 3-596-16113-4

Wikipedia, Potsdamer Konferenz

Planet Wissen, Potsdamer Konferenz

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