Beim G20-Gipfel in Hamburg wurde weniger darum gerungen, Fortschritte zu erzielen, sondern um bisherige Standards zu verteidigen. 19 gegen einen, so sah es beim Klimaschutz aus. Handelspolitisch gab es einige Zugeständnisse an die USA, „legitime“ Schutzinstrumente im internationalen Handel wurden gebilligt. Die G-20-Staaten wollen, gemeinsam verstärkt gegen Terrorfinanzierung und Propaganda im Internet vorgehen. Gelungen ist zumindest eine Einigung im Kampf gegen Schleuser und Menschenhändler.

Zweifelsfrei war 2016 ein Epochenjahr: die britische Entscheidung zum Austritt aus der EU, der Putschversuch in der Türkei mit all seinen Folgen und vor allem die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten weisen auf eine Zäsur hin. Alle Ereignisse stehen für den Abschied von einer alten Ordnung, für das Ende einer politischen Haltung, für eine neue Vorstellung von globaler Politik. Der neue Isolationismus und mehr noch der Umgangston haben die Gewichte in der Welt verschoben. Die USA führen nicht mehr die freie und offene Welt an, sie arbeiten gegen sie.

Was bringen solche Gipfel?

Wer an die zähmende Kraft von Regeln und Recht glaubt, dem muss auch nur ein Fünkchen Gipfelhoffnung wichtiger sein als die defätistische Ablehnung dieser Großveranstaltung. Himmel und Hölle liegen in der internationalen Politik ohnehin schon viel zu nahe beieinander.

Schaut man sich die Geschichte der Europäischen Integration an, findet man viele Gipfel, die sehr enttäuschende Ergebnisse brachten. Und trotz des Brexit ist die Europäische Union eine Erfolgsgeschichte, von der gemeinsamen Währung bis zum dauerhaften Frieden seit 1945. Derartige Gipfel sind daher weniger als Event, sondern vielmehr als Teil eines Prozesses zu verstehen.

Quellen:

Süddeutsche Zeitung, Die Ergebnisse des G-20-Gipfels

Süddeutsche Zeitung, Hamburg wird zeigen, nach welchen Regeln die Welt spielen will

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