Das Wiener Riesenrad wurde 1897 zur Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs I. errichtet und war zur damaligen Zeit eines der größten Riesenräder der Welt. Die Sehenswürdigkeit im Prater im 2. Gemeindebezirk Leopoldstadt ist ein Wahrzeichen Wiens. Während des 1. Weltkrieges wurde der britische Eigentümer enteignet und in der Nazizeit arisiert. Im 2. Weltkrieg schwer beschädigt wurde es restauriert und mit 15 statt 30 Wagen wieder in Betrieb genommen.

Das Wiener Riesenrad wurde 1896 von den englischen Ingenieuren Walter Basset und Harry Hitchins geplant. Als eigentlich ausführender Chefkonstrukteur wirkte Hubert Cecil Booth mit.

Am 3. Juli 1897 war es dann soweit. Das Riesenrad im Prater wurde ein Jahr vor dem 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josefs I in Bewegung gesetzt. Nur die wenigsten dürften allerdings in der Lage gewesen sein, die acht Gulden aufzubringen, die damals eine Fahrt mit dem Riesenrad kostete. Ein Beamter verdiente damals 30 Gulden im Monat.

Während des 1. Weltkrieges 1916 wurde das Riesenrad zur Versteigerung ausgeschrieben. 3 Jahre später erwarb der Prager Kaufmann Eduard Steiner das Riesenrad und verpachtete es. 1938 arisierte die nationalsozialistische Partei das Riesenrad und stellte es unter Denkmalschutz.

Im 2. Weltkrieg wurde das Riesenrad 1944 durch Feuer und Bomben fast zur Gänze zerstört und 1945 wieder neu aufgebaut. Wegen der Brandschäden des Krieges ging man nach 1945 davon aus, dass die Stabilität des Riesenrads gelitten habe. Daher wurden nur noch 15 der 30 Waggons wieder eingehängt. Aus Kostengründen wurden nur 4 statt der ursprünglich 6 Fenster eingebaut.

Daten und Fakten

Das Wiener Riesenrad hat einen Gesamtdurchmesser von 60,96 Meter (von 200 engl. Fuß abgeleitet), was dem Durchmesser über die Aufhängungsachsen der Waggons entspricht. Der äußere Raddurchmesser beträgt 55,78 Meter (183 Fuß), der innere Raddurchmesser 49,68 Meter (163 Fuß). Der höchste Punkt befindet sich 64,75 Meter über dem Boden. Das Gewicht der rotierenden Konstruktion beträgt 244,85 Tonnen und das Gesamtgewicht aller Eisenkonstruktionen 430,05 Tonnen. Die Achse des Riesenrades ist 10,78 Meter lang, hat einen Durchmesser von 0,5 Meter und wiegt 16,3 Tonnen.

Der Antrieb erfolgt über zwei Motoren mit einer Leistung von 15 Kilowatt, die über eine Achse miteinander verbunden sind. Sie treiben über Riemen zwei Schwungräder an. Obwohl jeder der beiden Motoren allein das Rad bewegen könnte, sind zur Sicherheit noch zwei weitere, kleinere Motoren in das Antriebssystem integriert; die Stromversorgung hält bei Stromausfall ein Notstromaggregat aufrecht. Letztlich ist das Kraftübertragungssystem so ausgelegt, dass das Riesenrad auch per Hand gedreht werden kann.

Die Umfangsgeschwindigkeit des Riesenrads beträgt maximal 0,75 Meter pro Sekunde (2,7 Kilometer pro Stunde), die Zeit für eine vollständige Umdrehung beläuft sich somit auf 255 Sekunden. Die tatsächliche Dauer für eine Umdrehung ist wesentlich länger und hängt vom Passagieraufkommen ab, da im längsten Fall das Riesenrad jeweils nur um die Wegstrecke zwischen zwei Waggons weiterbewegt wird, um die Passagiere ein- und aussteigen zu lassen.

Wissenswertes

Das Wiener Riesenrad war im Verlauf seiner Geschichte auch Ort für waghalsige Aktionen: So drehte die Zirkusdirektorin Madame Solange d’Atalide im Jahr 1914 für einen Film auf einem Pferd sitzend eine Runde auf dem Dach eines Waggons des Wiener Riesenrads.

In die Filmgeschichte geriet das Wiener Riesenrad spätestens durch eine längere Sequenz in „Der dritte Mann“ (1949) mit Orson Welles und Joseph Cotten. Harry Lime, gespielt von Orson Welles, hält hier seine berühmte Kuckucksuhr-Rede.

In Erinnerung an diesen Film wurde es am 9. Juni 2016 in die Liste der Schätze der europäischen Filmkultur der Europäischen Filmakademie aufgenommen.

Eine Szene im 15. James-Bond-Abenteuer Der Hauch des Todes (1987) ist ebenfalls auf dem Riesenrad gedreht worden.

 

Quellen:

Wikipedia, Wiener Riesenrad

Das Wiener Riesenrad

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