#faktenmontag zum 1. Mai 2017 – 1.Mai 1945 – Wien

Der erste Mai des Jahres 1945 war geprägt von Hunger, Zerstörung und Verzweiflung. Nach der Einnahme der Stadt durch sowjetische Truppen im März/April 1945 lag die Lebensmittelversorgung brach. Per Dekret wurde die Rationierung des Krieges beendet, was zu Bunkerung der Vorräte und damit in weiterer Folge zum Zusammenbruch der Versorgung führte. Als letzten Akt der Repression hatten nationalsozialistische Truppen beim Abzug vorhandene Vorräte entweder geplündert oder vernichtet. Schließlich sah sich die Rote Besatzungsarmee gezwungen am 1.Mai 1945 die von ihr beschlagnahmten Lebensmittel an die Bevölkerung wieder weiter zu geben. Dieses Ereignis der so genannten Mai-, Erbsen- oder Stalinspende konnte den eklatanten Versorgungsmangel jedoch nur kurz unterbinden. Kurzer Zeit später sah sich die Besatzungsarmee wieder gezwungen auf Lebensmittelrationalisierungen zurück zu greifen. Ab Juni 1945 musste die Republik Österreich diese Lebensmittellieferungen durch die Erbsenschuld wieder finanziell abgelten. Trotz des Elends und des Chaos war gerade dieser Tag auch ein Tag der Hoffnung. Bereits am  29. April präsentierte das „Neue Österreich“, das Organ der demokratischen Einigung, die erste Regierungserklärung: „Ohne Wiederaufbau unseres Staates gibt es kein Heim für die Familien und keine Betriebsstätten für die Arbeit. Wir alle müssen aktiv für eine bessere Zukunft arbeiten und Opfer bringen.“

Und am 1. Mai 1945 wurde das

1. Staatsgesetzblatt für die Republik Österreich proklamiert.

Ausgegeben am 1. Mai 1945

1. Proklamation über die Selbständigkeit Österreichs

2. Kundmachung über die Einsetzung einer provisorischen Staatsregierung.

3. Regierungserklärung.

Und mit einem pathetischen Aufruf wurde diese Proklamation beendet.

„Österreicher! Dies sind die Aufträge, die Eure Provisorische Regierung übernommen hat und durchführen will! Verzagt nicht! Fasset wieder Mut! Schließt Euch zusammen zur Wiederaufrichtung Eures freien Gemeinwesens und zum Wiederaufbau Eurer Wirtschaft! Vertagt allen Streit der Weltanschauungen, bis das große Werk gelungen ist! Und folgt in diesem Geiste willig Eurer Regierung! Es lebe das österreichische Volk, es lebe die Republik Österreich! Wien, den 27. April 1945.

Und die humorbegabten Wiener brachten an diesem Tag den ersten Politwitz in Umlauf: „Was bekommt Österreich nach jedem Krieg? – Einen Renner!“ Und wie zum Trotz nahm an diesem Tag die „Ravag“ wieder ihren Betrieb auf und begrüßte die zerstörte Stadt mit dem bekannten und vertrauten „Hallo, hier Radio Wien“. Eine Stimme, die neue Zukunftshoffnung versprach. Und in Simmering trat die KPÖ mit neuem Selbstbewusstsein ausgestattet, zum ersten Maimarsch der jungen Republik an. Doch das Naziregime hatte behielt bis zum Schluß seine grausame Hand über dem geschundenen Land. Während der Osten bereits seit März befreit und Österreich bereits am  27. April 1945 in Wien die 2. Republik eines unabhängigen Österreich verkündet hatte wurden auf dem Truppenübungsplatz in Treffling zahlreiche WiderstandskämpferInnen kaltblütig ermordet. Per Anklageschrift des Oberreichsanwalts beim Nazi – Volksgericht wurden die Kommunisten Josef Grillmayr, Karl Hehenberger, Willibald Thallinger und die Kommunistin Cäcilie Zinner hingerichtet. Sie alle wurden beschuldigt den desertierten Kommunisten Ludwig Telfner unterstützt zu haben. Dieser hatte ab Mai 1944 eine nach dem 1934 in Wien hingerichteten Februarkämpfer Münichreiter benannte Widerstandsgruppe aufgebaut.

Quellen:

http://ooe.kpoe.at/article.php/20140215113210268

http://www.jku.at/kanonistik/content/e95782/e95785/e95786/e95794/e104403/e104414/e98460/StaatsgesetzblattRep.Oesterreich.pdf

https://www.wien.gv.at/wiki/index.php/Lebensmittelversorgung_in_Wien_in_der_Besatzungszeit

http://www.wienerzeitung.at/themen_channel/wz_reflexionen/kompendium/333764_Hunger-Angst-und-Truemmerfrauen.html

 

 

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